Das Meiden von Konflikten in einer Liebesbeziehung

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Das Umgehen von Konflikten und Meinungsverschiedenheiten in einer Liebesbeziehung, um „den Frieden zu bewahren”, kann die Basis der Beziehung ernsthaft belasten.

Wir können sehr ambivalente Gefühle denjenigen gegenüber haben, die uns nahe stehen. Jede Beziehung, einschließlich eine Liebesbeziehung, weißt also eine Palette, sowohl von Liebesgefühlen, als auch von Feindseligkeiten dem Partner gegenüber auf. Liebesgefühle können in Form von Zärtlichkeit, Wärme, Fürsorge und Zuneigung auftreten, während die Feindseligkeit durch Wut, Neid oder Misstrauen ihr Gesicht zeigt. Die Idee einer ambivalenten Gefühlswelt ist schwer zu akzeptieren, vor allem bei Partnern, die an einem romantischen Ideal der absoluten Liebe und der vollkommen harmonischen Beziehung festhalten. Meinungsverschiedenheiten oder Diskussionen bedeuten für das Paar das Ende der Liebe. Allerdings wird eine Beziehung, die auf Angst vor Konflikten basiert, immer zerbrechlich und anfällig für Trennungen sein, selbst wenn es nur um kleine Missverständnisse geht.

Wenn wir uns bewusst werden, dass es in Ordnung ist, antithetische Gefühle dem Partner gegenüber zu haben, und dass jede Beziehung bestimmte Schlüsselmomente durchmacht, können wir konstruktiv mit diesen Auseinandersetzungen umgehen. Anstatt sich von Schuldgefühlen oder Angst überwältigen zu lassen, wenn wir dem Partner gegenüber negative Gefühle empfinden, sollten wir uns im Klaren darüber sein, dass es in manchen Situationen angebracht und normal ist, solche Dinge zu fühlen. Wenn wir uns dessen bewusst sind, fällt es uns viel leichter, uns um das zu kümmern, was uns tatsächlich beschäftigt und somit die Beziehung vorwärts zu bringen. Wichtig ist vor allem, dass die positiven Gefühle die Oberhand haben, so dass die Beziehung ein Umfeld schafft, in welches die negativen Empfindungen integriert werden können, ohne verdrängt werden zu müssen. Wenn die Rahmenbedingungen der Liebesbeziehung sicher sind, können Konflikte gelöst werden, ohne dass sie eine Bedrohung für die Beziehung darstellen.

Dementsprechend bringt nicht die bloße Existenz dieser Konflikte eine Beziehung in Gefahr, sondern die Art und Weise wie beide Partner damit umgehen. Konflikte können die Beziehung zerstören, wenn von Beleidigungen, respektlosen Gesten oder physischer Gewalt Gebrauch gemacht wird. Jedes Mal, wenn in einer Streitsituation ein Partner Respekt vor dem anderen verliert, frisst dies an der Beziehung. Keine Beziehung übersteht diese Art von Streitverhalten, trotz nachträglichen Schuldgefühlen und Reue.

Eine andere destruktive Herangehensweise, ist das bewusste Umgehen eines Konflikts um nicht „die Stimmung kaputt zu machen” oder aus Angst vor der Reaktion des Partners. Es gibt unzählige Gründe, warum Konflikte in Beziehungen gemieden werden. Das bedeutet nicht, dass die Beziehung zum Schlachtfeld werden muss, auf dem jede kleine Meinungsverschiedenheit ausgetragen wird. Aber wenn wichtige Unzufriedenheiten nicht offen angesprochen werden können, verschwinden sie nicht einfach, sondern behindern die Beziehung auf indirekte Art. Mehr noch, dadurch dass wir uns weigern, das Problem anzusprechen, zeigen wir unserem Partner, dass es in Ordnung ist, so zu handeln und geben unfreiwillig unser Einverständnis für ein ähnliches Verhalten in der Zukunft. Somit tragen wir nur dazu bei, dass sich unsere eigene Unzufriedenheit ansammelt.

Des Weiteren führt die Umgehung der Konflikte zu einer inneren Spannung, die auf einem anderen Plan oder in einer anderen Beziehung entladen werden will. Wenn wir nicht offen über das sprechen, was uns in der Beziehung Sorgen macht, verschaffen sich all die anderen negativen Gefühle, wie Wut, Bitterkeit und Angst, auf andere Weise Gehör. Diese Feindseligkeit kann sich hinter passiv-aggressivem Verhalten gegenüber dem Partner oder anderen verstecken. Manchmal sind wir uns dessen selbst gar nicht bewusst und können von unserem eigenen Verhalten überrascht sein. Gereizt, zornig und voller Sorge kann es passieren, dass wir uns an Freunden, den eigenen Kindern oder Fremden abreagieren. Diese inneren Unruhen können unserem Körper schaden und uns krank machen, Krankheiten die in diesem Fall psychosomatisch sind, und unseren Geisteszustand widerspiegeln: Migräne, Schlaflosigkeit, Depressionen, sexuelle Funktionsstörungen, Verdauungsprobleme, Erkrankung der Atemwege oder des Immunsystems.

Letztendlich ist festzuhalten, dass Konflikte in einer Beziehung etwas ganz Natürliches sind, und dem Paar eine Chance geben, sich immer wieder auf einander einzustellen und aufs Neue Gleichgewicht in die Beziehung zu bringen. Solange diese Konflikte respektvoll ausgetragen und nicht ignoriert werden, können sie zur Weiterentwicklung und Vertiefung der Liebesbeziehung führen. Jeder von uns kann lernen, seinen Bedürfnissen, Erwartungen oder Unzufriedenheiten, im Bezug zu seinem Partner, auf erwachsene Weise Ausdruck zu verleihen, gleichzeitig aber auch, die Bedürfnisse, Erwartungen und Unzufriedenheiten des anderen zu verstehen, so dass keiner von beiden gezwungen ist, seine Meinung oder Wünsche aufzugeben.