Der Drang, sich durch Arbeit zu erschöpfen oder einige versteckte Gründe für einen Burnout

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Der Burnout ist ein Zustand physischen und psychischen Ugleichgewichts, ausgelöst durch den Verbrauch innerer Resourcen und Folge exzessiver Arbeit. Es handelt sich nicht um einen Zustand, der unerwartet erscheint, sondern eher um einen langen Prozess. Das macht ihn nur schwer erkennbar nachdem er ersteinmal begonnen hat. In der Regel, fällt uns plötzlich auf, dass wir die ganze Zeit müde und gereizt sind, dass die Beziehungen zu anderen angespannt sind, und dass wir uns im Inneren ausgelaugt fühlen.

Abgesehen von den äußeren Einflüssen, welche insgesamt von den Arbeitsbedingungen und der Arbeit als solche abhängen, “ernährt“ sich der Burnout von unserem eigenen Drang, uns durch Arbeit zu erschöpfen. Wir „wählen“ diesen Weg aus verschiedenen Gründen, die uns selbst, lange Zeit verborgen bleiben können.

Die Tendenz zur Arbeitssucht und das Bedürfins, sich durch Arbeit zu ermünden, stammt meistens aus der Kindheit. Das Fehlen materiellen Wohlstands und die finanzielle Instabilität der Familie in der wir aufgewachsen sind, bieten die einfachsten Erklärungen. Ein Kind, dass von Armut betroffen war und sich dafür schämt, wird im späteren Leben alles dafür tun, um ein besseres Leben zu führen. Die verspätete Befriedigung materieller Bedürfnisse kann für den Erwachsenen zu einer sehr starken Motivation werden. Gleichzeitig wird sie aber auch zu seiner Achillessehne, der verwundbare Punkt, der zur eigenen Misshandlung durch Arbeit führt. Eigentlich geht es beim exzessiven Arbeiten, ab einem bestimmten Punkt, gar nicht mehr um den materiellen Aspekt, sondern darum, sich selbst das Gefühl von Sicherheit zu geben, welches in der Kindheit gefehlt hat. Ein Kind, welches in einer instabilen Umgebung aufgewachsen ist, ist nicht im Stande die Situation völlig zu begreifen. Das, was es erlebt und was es in dieser Hinsicht definieren wird, ist das Gefühl von Unsicherheit, Unbeholfenheit und Überwältigung. Das Kind weiß, dass es keine Kontrolle über die Situation hat. Genau aus diesem Grund, um uns von der Unbeholfenheit zu „heilen”, widmen wir unser Leben der Arbeit, ungeachtet unserer eigenen begrenzten Ressourcen und Grenzen. Die Angst von Instabilität und Unvorhersehbarkeit kann so tiefe Spuren hinterlassen haben, dass es uns schwer fällt, ein gutes Gleichgewicht im Leben zu finden.

Der Drang, sich durch Arbeit zu erschöpfen, kann auch “vererbt” werden, wenn unsere Eltern uns direkt oder indirekt, durch das eigene Beispiel, einem sehr hohen Leistungsstandard ausgesetzt haben. In diesem Fall kann unsere Abhängigkeit von Arbeit unsere Loyalität den Eltern gegenüber verkörpern, den Wunsch ihren Ansprüchen zu genügen und sie nicht zu enttäuschen. Jedes andere Verhalten würde in uns Schuldgefühle auslösen, und uns den Eindruck geben, dass wir unsere „Pflicht” nicht erfüllen und nicht ihren Erwartungen entsprechen.

In den meisten Fällen zeigen solche Eltern ihre Zuneigung und Liebe in Abhängigkeit von den Leistungen und Errungenschaften der Kinder. Das, was das Kind verinnerlicht, und später als Erwachsener anwendet, ist die Tatsache, dass es nur für seine Leistung geliebt wird, nicht für sein authentisches Selbst. Unter diesen Umständen verwandelt sich die Arbeit in ein bevorzugtes Mittel, um Anerkennung zu bekommen. Der Wunsch, durch excessive Arbeit zu beeindrucken, kann an jedem ausgelebt werden, dennoch werden vor allem Autoritätspersonen bevorzugt (zum Beispiel, ältere Personen, die eine Vorbildfunktion haben, oder Vorgesetzte etc.), die eventuell auch eine Art Elternfunktion übernommen haben.

Es gibt auch den Fall, in dem die Familie keine finanziellen Schwierigkeiten hatte. Aber die Eltern waren geistig nicht für das Kind da, weil sie entweder zu sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt waren, oder der Auffassung waren, dass mit der Sicherung des materiellen Wohlstands ihre Pflicht getan sei. Jedes Kind spürt, wenn Bezugspersonen es nicht wirklich „sehen”, wenn die Eltern es nicht schaffen, psychisch einen Platz für ihr Kind freizuhalten. Sie können es nicht emotional unterstützen, so wie es das Kind von ihnen braucht. Das Kind wird mit einem Gefühl leben, dass ihm etwas Fundamentales fehlt, und dass es seine Richtung im Leben selbst finden muss. Als Erwachsener erkennt es in der Arbeit eine Möglichkeit, seine innere Leere zu füllen und, wenn auch nur kurzzeitig, der Einsamkeit zu entkommen. Man kann dann durch ausergewöhnliche Leistung oder besonderen materiellen Status, die Aufmerksamkeit anderer auf sich ziehen und wird so für diese sichtbar. Wenn die Arbeit bereits zum Mittel geworden ist, um sich das Interesse anderer zu sichern, so wird sie immer mehr Teil der eigenen Identität. Es kann passieren, dass der Mensch dann gar nicht mehr weiß, wer er ohne Arbeit ist.

Die Erschöpfung durch Arbeit kann uns von Intimität in einer Liebsbeziehung fernhalten. Wenn man ohne eine bedeutsame emotionale Bindung zu den Eltern aufgewachsen ist, fällt es einem später schwer eine bedeutsame emotionale Bindung zu sich selbst und dem Partner aufzubauen. Die Angst vor einer authentischen Bindung, die Angst, sich verletzlich zu machen oder die Kontrolle zu verlieren, kann man gut durch erschöpfende Arbeit verstecken. Sie bietet das perfekte Alibi, über keine Zeit, Energie und inneren Platz für die Beziehung zu verfügen. Andererseits vermindert der Versuch, die Abwesenheit einer Liebesbeziehung oder eines Familienlebens durch exzessive Arbeit zu kompensieren, die Möglichkeit diese Beziehungen tatsächlich zu erleben. Abgesehen davon, dass Arbeit diese Beziehungen nicht ersetzen kann, zusätzlich verbraucht sie auch innere Ressourcen, die man für deren Verwirklichung benötigte. Energy flows where attention goes.

Jedes Mal, wenn man das übertriebene Bedürfnis verspürt, sich in die Arbeit zu stürzen, lohnt es sich, in sich zu gehen und sich einige Fragen zu stellen. Was versteckt sich hinter dieser Fassade? Warum versucht man die Arbeit zu einem universellen Heilmittel zu machen und wofür? Was ist die versteckte Angst und vor was versucht man wegzulaufen? Ist es eventuell das Bedürfnis Distanz zwischen sich und die anderen zu bringen, aus Angst vor Nähe? Fühlt man sich verloren und weiß nichts mit sich anzufangen? Erlebt man ein Gefühl von Minderwertigkeit oder ist man davon überzeugt, dass Anerkennung, Akzeptanz und Bestätigung Dinge sind, die man sich erarbeiten muss? Wen representieren die Menschen, die man zu beeindrucken versucht, tatsächlich? Es ist leicht, in diese Falle des Arbeitszwanges zu tappen, wenn man es nicht schafft, sich diese Fragen zu beantworten. Menschen die sich leidenschaftlich in die Arbeit stürzen, werden immer durch Ansehen und Respekt von der Gesellschaft belohnt. Die Schattenseiten werden viel zu selten hervorgehoben.

Das, was die oben aufgezählten Gründe für das Bedürfnis, sich durch Arbeit zu ermüden, alle gemeinsam haben, ist, dass sie von bestimmten Unischerheiten abstammen und eine besondere Funktion erfüllen. Wenn die Arbeit als Lösung eines Problems dienen soll, bedient man sich ihr oft, um unbefriedigte Bedürfnisse aus der Kindheit zu kompensieren. Allerdings kann man auch keine angebrachte Lösung finden oder erfahren, was es bedeutet, eine ausgeglichene, eventuell sogar angenehme Beziehung zu seiner Arbeit zu haben, wenn man es nicht schafft, seine wahren Bedürfnisse oder Ängste zu identifizieren. Indem man die tatsächlichen Ursachen ignoriert, kommt man in einen Zustand chronischer Erschöpfung, in welchem der Kampf gegen die Symptome eines Burnouts, der hohe Energieverbrauch und der Verlust von Zeit und Beziehungen, schwer zur Last fallen können.

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